Mitgliederversammlung 2010
Wir laden zur Mitgliederversammlung am 21. März 2010 ein.
Ort: Ober-Ramstadt / Waldenserhalle
Zeit: 14:30 Uhr - bis ca. 17:00 Uhr.
Reisebericht Ruanda JMFA 2008
Eine kleine Delegation von ?Junge Menschen fuer Afrika? machte sich Anfang Mai diesen Jahres nach Rwanda auf, um vor Ort zu sehen, wie sich die Vereinsarbeit in Kirinda entwickelt. Mit dabei: Frontfrau Liane, die fuer die Zahlen zustaendige Nicole, Uebersetzerin Caroline, und ich, eine ?Vereinsfreundin? ohne abgestecktes Aufgabenfeld, aber gerade fuer ein Auslandssemester in Tansania und daher in der Naehe... Die Chance, mir von Liane ihr Lieblingsland zeigen zu lassen, hab ich mir nicht entgehen lassen. Immer an unserer Seite war natuerlich Maria, die gerade fuer JMfA als Freiwillige in Kirinda arbeitet.
Am ersten Tag stand die Hauptstadt auf dem Programm. In Kigali waren Termine mit dem deutschen Botschafter vorgesehen, mit dem Generalsekretaer der Presbyterianischen Kirche in Rwanda (EPR), dem Bauleiter Charles und Evode der uns bei der Lehrerfortbildung unterstützte.
Der spannendste Teil der Reise begann jedoch am Tag darauf - Kirinda, life und direkt. Doch nicht nur das: Wir wurden ausserdem vom rwandischen Gesundheitsminister Jean Damascene begleitet, der ein Freund von Hans ist und durch ihn auf die Idee kam, sich die Gegend einmal anzusehen. Geplant war also ein Besuch mit ihm im dortigen Krankenhaus, das in Rwanda relativ bekannt ist. Das Ganze gestaltete sich sehr aufregend, denn der Minister hat eine ganz eigene Strategie entwickelt, wie er sein Land in Gesundheitsfragen voranbringen will. Wir erfuhren, dass er oft uebers Land faehrt und dort mit den Leuten Klartext redet; in erster Linie ueber das Thema Familienplanung. Das dicht besiedelte Rwanda hat zu viele Kinder, die von ihren meist armen Eltern nicht ausreichend versorgt werden koennen. Der Minister trommelte also die Leute im und ums Krankenhaus zusammen und sagte ihnen in scharfem Ton, dass es keinen Sinn mache, unzaehlige, aber unterversorgte Kinder in die Welt zu setzen. Den Frauen schaerfte er ein, sich nicht zum Geschlechtsverkehr zwingen zu lassen. Dabei nahm er auch der Kirche gegenueber kein Blatt vor den Mund, die er mitverantwortlich machte fuer die hohe Geburtenrate. Uns wurden die wichtigsten Aussagen aus dem Kinyarwanda uebersetzt, und wir staunten nicht schlecht ueber die direkte Art der Ansprache. Beim anschliessenden Rundgang wollte der Minister alles, auch die Toiletten, gezeigt bekommen, um sich einen authentischen Eindruck vom Krankenhaus zu verschaffen. Ob die Krankenhausleitung nun wie erhofft zusaetzliche Gelder vom Staat erhaelt, bleibt vorerst das Geheimnis des Ministers. Er plaedierte erstmal dafuer, die wohlhabende Kirche in die Pflicht zu nehmen... Die anwesenden Kirchenautoritaeten reagierten ziemlich irritiert, machten aber gute Miene zum boesen Spiel. Nach einem Treffen mit Abegesandten aus den umliegenden Gemeinden machte sich der Minister wieder auf den Weg nach Kigali. Von der Frau des Schuldirektors, die im Krankenhaus arbeitet, erfuhren wir spaeter, dass der Besuch bleibenden Eindruck beim Personal und bei den Patienten hinterlassen hat.
Wir bezogen daraufhin unsere Zimmer in Kirinda und wurden vom Pastor Prince und vom Schuldirektor Charles offiziell begruesst. Bei einem anschliessenden Spaziergang durchs Dorf sahen wir uns die Schule (IPK) an sowie die von JMFA finanzierten neuenToiletten neben den Wohnraeumen der Schueler. Von denen wurden wir natuerlich sofort erspaeht und prompt umringt. Das ein oder andere Patenkind war auch darunter, und so wurden die ersten Fotos geschossen. Wegen des Abendessens mussten wir uns aber schliesslich losreissen. Wir wurden wunderbar bekocht und auch sonst fehlte es uns an nichts waehrend der Tage in Kirinda. Morgens bekamen wir sogar warmes Wasser zum Duschen ? ein Luxus, den sich sicher nicht viele der Dorfbewohner leisten koennen. Der naechste Tag begann mit einem tollen Fruehstueck, bei dem Maria ganz grosse Augen bekam ? sonst war sie offenbar die einzige in Kirinda, die morgens etwas ass... Die Staerkung kam gerade richtig, denn am Nachmittag stand das wichtige Treffen mit dem Aeltestenrat auf dem Programm. Dieser Rat ist eine Art Gemeinderat, der in den wichtigen Angelegenheiten das letzte Wort hat. Vormittags spazierten wir durchs Dorf, besichtigten die Kirche, sahen uns die ehemalige Kueche des Kochclubs an, der leider nicht mehr richtig funktioniert, und statteten dem Naehclub einen Besuch ab. Danach erwartete uns der Schuldirektor Charles in seinem Buero, um mit uns ueber die Patenschaften zu sprechen. Liane thematisierte einige Ungereimtheiten, die beim Patenschaftsprojekt aufgetreten waren. Das anschliessende Treffen mit dem Aeltestenrat verlief gut und brachte Klarheit in die Zusammenarbeit zwischen JMFA und Kirinda, da beide Seiten ihre Erwartungen und Moeglichkeiten aeussern konnten. Liane machte klar, dass die Kapazitaeten des Vereins begrenzt sind und dass er sich deshalb auf wenige Projekte konzentrieren muss. In diesem Zusammenhang stellten wir auch das neue Organigramm des Vereins vor: Kuenftig wird es drei Projekte geben; das Schulprojekt, den Naehclub und die Korbflechterinnen. Fuer jedes Projekt wird es einen Verantwortlichen oder eine Verantwortliche geben. Hippolite, der schon vorher fuer JMFA taetig war, wird der Ansprechpartner des Vereins fuer die Projektverantwortlichen in Kirinda sein und JMFA Bericht erstatten. Ueber ihm steht der Pastor, der die Projekte als Vertreter der Gemeinde begleitet. Auch der geplante Zisternenbau wurde besprochen. Die Aeltesten stimmten zu, dass die Bewohner Kirindas sich an den Arbeiten beteiligen sollten, um die Kosten moeglichst gering zu halten. Am Ende des Treffens blieben die meisten noch ein bisschen, wir unterhielten uns und redeten auch ueber andere Dinge als die Vereinsarbeit. In guter Stimmung gingen wir zum Abendprogramm ueber: Auf der Wiese vor unserem Guesthouse teilten wir uns ein paar Flaschen Muetzig... Spaeter kamen noch der Pastor, Fidelie, Hippolite und einige andere dazu, und wir assen alle zusammen. Es war spuerbar, dass der persoenliche Kontakt zwischen den Vereinsleuten und den Bewohnern Kirindas der Vereinsarbeit gut tat. Der Zugang gelang vor allem auch durch Maria, die das Herz der Menschen in Kirinda gleich erobert hat. Schoen fuer mich war, dass viele der Erwachsenen in Kirinda Swahili sprechen. Einige haben es in der Schule gelernt, andere als sie waehrend des Krieges in die umliegenden Laender gefluechtet sind. Oder sie koennen einfach ein paar Brocken, weil es die Verkehrssprache Ostafrikas ist... So vermischten sich am Essenstisch die Sprachen ? Franzoesisch, Englisch, Deutsch, Swahili, Kinyarwanda... So doll, dass es Maria gar nicht auffiel, dass sie Hippolite irgendwann auf Deutsch ansprach - und sich wunderte, dass er zur Antwort nur grinste. Der naechste Tag war der letzte in Kirinda und wieder hatten wir volles Programm: Nach dem morgendlichen Treffen mit dem Pastor besichtigten Liane, Caroline, Nicole und Maria zusammen mit dem Bauingenieur Charles den Platz, wo die Zisterne gebaut werden soll. Charles hat damals die Toiletten fuer JMFA gebaut. Nachmittags trafen wir uns in einem Raum der IPK mit dem Schuldirektor, dem Pastor und den Projektverantwortlichen. In dieser Zusammenkunft erlaeuterten wir den Vertreterinnen des Naehclubs und den Korbflechterinnen das neue Organigramm und setzten Hippolite als Vertreter des Vereins ein. Es fand auch eine Aussprache mit Felicien statt, der vorher Hippolites Aufgabe innehatte und nun fuer das Agrarprojekt zustaendig ist, das mit den Patenschaften zusammenhaengt. Obwohl dieses Treffen etwas spannungsgeladen war, assen wir wieder in geloester Stimmung gemeinsam zu Abend. Am Morgen des naechsten Tages suchten uns noch einige der Patenkinder auf, um uns Briefe oder Geschenke fuer ihre Pateneltern mitzugeben oder ihrerseits die mitgebrachten Geschenke zu erhalten. Nach ein paar Fotos mussten wir uns dann langsam verabschieden. Und auch die Kirinder mussten los ? schliesslich war Pfingstsonntag und die Kirche rief.
Wir hingegen machten uns auf den Weg zum Kivusee, wo wir noch ein paar erholsame Urlaubstage zusammen verbrachten. Abgerundet wurde die spannende Reise von einem Besuch bei den Berggorillas im Virunga Nationalpark. Schweren Herzens trennten wir uns von dem schoenen Silberruecken, um nach Kigali zurueckzukehren. Von dort aus ging es fuer mich per Bus zurueck an die tansanische Kueste, wahrend die Maedels noch einen Tag in der Hauptstadt verbrachten und dann ins Flugzeug nach Hause stiegen. Waren wunderbare Tage im Land der tausend Huegel ? murakoze chane!




